Kurvenverläufe
überwachen und visualisieren
Alfred Adam, Ing.-Büro
ADAM SOFTWARE, Landshut
Die Qualität eines Produkts wird durch die Einhaltung mehrerer Prozessparameter
geprägt, wobei der zeitliche Verlauf nach einer vorgeschriebenen Kurve oft
entscheidend ist. Weil diese Verläufe meistens sehr schnell ablaufen und
viele Messwerte anfallen, werden besondere Anforderungen an die Messwerterfassung
gestellt.
Es gibt einige Softwarepakete für die schnelle Messwerterfassung auf dem
Markt, die meisten sind jedoch auf den Laboreinsatz spezialisiert und es
fehlen die für die Qualitätssicherung relevanten Datenformate und Auswertemöglichkeiten.
Ausserdem ist die einfache Ablage der Daten in Dateien oder Datenbanken
nur die halbe Lösung, wenn für eine Auswertung immer wieder umständliches
Kopieren und Zuordnen der Daten notwendig wird. Deshalb sind solche Programme
für eine kontinuierliche Prozessüberwachung in der Produktion eher ungeeignet
und passen als Insellösungen auch schlecht in die werksweite Prozessdatenerfassung.

Bild 1: Der Kurvenverlauf bei der Erzeugung von Vakuum
gibt Hinweise auf ein Leck oder Verunreinigungen in einem Leitungssystem
noch vor der Befüllung mit Flüssigkeit.
Da der Prozess in vielen Fällen durch eine Steuerung (SPS) geregelt wird,
ist die Messwerterfassung (Sensoren, Wandler, Speicher) bereits in der Anlage
vorhanden und eine Nachrüstung mit spezieller Hardware entfällt. Mit der
Standardsoftware SPCprocessLink können die Daten aus der Steuerung über
Standardtreiber (z.B. OPC) ausgelesen und im Q-DAS® Datentransferformat
abgespeichert werden. Damit ist eine sofortige Visualisierung der Kurven
und weitere statistische Auswertungen mit qs-STAT® möglich.

Bild 2: Verlauf der Einspritzgeschwindigkeit einer Gummipresse
innerhalb der Grenzkurven
Ohne Messwerterfassung muss man sich auf
die Einhaltung der vorgeschriebenen Prozessparameter durch die Regelung
der Anlage verlassen aber nicht immer können Störfaktoren ausgeregelt werden.
Verunreinigungen im Material, Verschleiss der Anlage, falsche Einstellungen
oder Fehlbedienungen können die Abläufe unbemerkt verändern und versteckte
Fehler in das Produkt einbauen. Deshalb haben Qualitätsmanager besonderes
Interesse am tatsächlichen Verlauf der Werte. Aber auch bei der Nacharbeit
kann eine Kurve mehr Detailinformationen zur Fehlerursache liefern als eine
einfache NIO Bewertung, Fehlersuche und Reparatur werden vereinfacht.
Eine Visualisierung des Werteverlaufs ist durch die Ablage der Messwerte
im Q-DAS® Datentransferformat sofort möglich. Das Speichern aller Messwerte
einer Kurve unter einem Merkmal ermöglicht zwar die grafische Darstellung
des Werteverlaufs, für eine automatische Prozessüberwachung ist jedoch eine
statistische Auswertung, insbesondere ein Vergleich der Istwerte mit einer
Referenzkurve, erwünscht. Dies ist mit SPCprocessLink einfach möglich, indem
jeder im entsprechenden Zeitraster abgetastete Messwert einem eigenen Merkmal
zugeordnet wird. Dadurch kann jeder Punkt der Referenzkurve mit Grenzwerten
versehen werden welche zusammen jeweils die obere und untere Grenzkurve
darstellen. In Bild 1 ist ein Werteverlauf zu sehen, wie er bei der Erzeugung
von Vakuum an einer Befüllungsanlage entsteht. Frei nach dem Motto: “Ein
Bild sagt mehr als 1000 Worte“ gilt hier: eine Kurve sagt mehr als tausend
Zahlen. Unregelmäßigkeiten im Kurvenverlauf deuten auf versteckte Fehler
die später nur schwer entdeckt werden können.
Bild 2 zeigt den Verlauf der Einspritzgeschwindigkeit einer Gummipresse.
Obwohl die Geschwindigkeit durch die Steuerung geregelt wird kann es aus
verschiedenen Gründen vorkommen, dass die Regelung das eingestellte Geschwindigkeitsprofil
nicht einhalten kann. An vielen Maschinen sind die einzelnen Messwerte bereits
in der Steuerung gespeichert und können an der Maschine kurzzeitig eingesehen
werden, es fehlt jedoch eine statistische Auswertung mit Grenzkurven und
das Abspeichern in der Steuerung ist kaum möglich. Hier ist die Datenerfassung
mit SPCprocessLink schnell eingerichtet. Wenn die Messwerte geordnet hintereinander
in einem zusammenhängenden Speicherbereich liegen ist die Datenerfassung
auch bei älteren Steuerungen mit langsamer Kommunikation möglich. So können
hunderte Messwerte, die im Zeitraster von wenigen Millisekunden von der
Steuerung erfasst wurden, problemlos über die vorhandene Schnittstelle mit
SPCprocessLink in das Q-DAS® Datenformat übertragen werden. Wenn die Maschine
die Messwerte bei einem neuen Produktionszyklus in der Steuerung mit neuen
Werten überschreibt, sind die vorherigen Werte längst abgespeichert und
ausgewertet.
Wenn die Messwerte nicht aus Steuerungen, sondern aus seriellen Datenquellen
oder aus Dateien stammen die keine standardisierten Formate aufweisen, können
entsprechende Protokollwandler eingesetzt werden. Dadurch werden die Daten
sehr früh in ein Standardformat überführt und profitieren von einer standardisierten
Weiterverarbeitung. Zusätzlicher Aufwand für die Wartung von Sonderlösungen
entfällt.
Bild 3: Einfache Verknüpfung der
Datenquelle in der Steuerung mit dem Ziel im Q-DAS® Datenformat.
Bild 3 zeigt die Konfiguration der Datenerfassung
mit SPCprocessLink: jedes Merkmal wird mit der entsprechenden Variablen
im Speicher der Steuerung verknüpft. Eine Triggervariable löst das Abspeichern
im Q-DAS® Datenformat aus und die Kurve kann sofort ausgewertet und visualisiert
werden.
Die vorgestellten Anwendungen zeigen wieder einmal die Vorteile beim Einsatz
von Standardsoftware. Die Erfassung der Prozessdaten mit SPCprocessLink
über Standardschnittstellen in das Q-DAS® Datentransferformat und die statistischen
Auswertungen mit qs-STAT® bieten durchgängige Lösungen die schnell und kostengünstig,
ohne Programmierung realisiert werden können.
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